Success-Story   PORT

Das Lernen im Hafen verankern

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands vollzogen sich in den Häfen Mecklenburg-Vorpommerns gravierende Veränderungen und ein massiver Strukturwandel. Für die Beschäftigten in den Häfen führte das zu einem hohen Qualifizierungsbedarf. Die Hafenwirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns musste sich auf neue Anforderungen einstellen und die Anzahl der Beschäftigten reduzieren.

Das Projekt Port-Adapt ermöglichte es, auf den Veränderungsprozess wirksam und "dämpfend" Einfluss zu nehmen, indem in den Häfen Möglichkeiten zum Lernen geschaffen wurden. Es galt, für die Hafenarbeiter neue Arbeitsperspektiven aufzuzeigen und sie bei der Orientierung auf einem neuen Arbeitsmarkt zu unterstützen.

Infoblatt-DasProjekt im Überblick

PDF-Datei zum Download (425 kB) port_d.pdf

Vorortausbildung mit dem Didaktomobil

Im Projekt "Port Adapt" wurde zwei Jahre lang eine mobile Hafenausbildungseinrichtung erprobt. Sie bestand aus dem "Didaktomobil", einem zum fahrbaren Seminarraum umgebauten Container.

Mit diesem Ansatz konnte der Forderung der Hafenbetriebe entsprochen werden, Beschäftigte direkt vor Ort auszubilden. Durch eine flexible Gestaltung der Ausbildungspläne konnten die Betriebe eine berufsbegleitende Qualifizierung durchführen. Diese wurde in das bestehende Schichtsystem integriert und an den tatsächlichen Bedarf der Arbeitnehmer und der Unternehmen angepasst.

Innerhalb von Teilbereichen der Lehr- und Lerngebiete bestand für alle Beteiligten die Möglichkeit, an der Ausgestaltung der Weiterbildung mitzuwirken.
Die erfolgreiche Teilnahme an den einzelnen Kursen wurde durch die Ernennung der Teilnehmer zum "Euro-Foreman" und die Vergabe von Zertifikaten durch die IHK-Rostock bescheinigt.


Mobile Hafenausbildungseinrichtung: "Das Lernen kommt in den Hafen".

Qualifizierungsbedarf im Hafen

Die Hafenwirtschaft besteht aus einer Vielzahl unabhängiger, eigenwirtschaftlich operierender Unternehmen. Vor Beginn der eigentlichen Ausbildung musste daher der konkrete Qualifizierungsbedarf an den einzelnen Hafenstandorten durch Recherchen ermittelt werden. Es stellte sich heraus, dass die Hafenarbeiter besonderen Bedarf hatten an

  • politischer Bildung zur Europäischen Union,
  • kundenorientierter Hafenwirtschaft und Logistik,
  • Hafenenglisch,
  • Kenntnissen zu elektronischen Datenverarbeitungsystemen und 
  • Wissen zum Umgang mit Gefahrgut.

Der Unterschied zu herkömmlichen Seminaren

Die unmittelbare Nähe des mobilen Klassenzimmers zum tatsächlichen Arbeitsplatz hatte entscheidende Vorteile:

  • Was im Kurs gelernt wurde, konnte direkt im Anschluss am Arbeitsplatz umgesetzt werden.
  • Praktische Übungen fanden vor Ort und unmittelbar im Arbeitsprozess statt.
  • Bei Problemen oder Rückfragen war kompetente Hilfe immer in Reichweite.

Startschwierigkeiten

Die lange Bearbeitungszeit des Projektantrages hat die Vorbereitung und Durchführung ungünstig beeinflusst. Der erste Ausbildungsabschnitt musste deshalb um vier Monate verkürzt werden.

Das Projekt wurde kurzfristig und operativ gestartet. Die Erarbeitung des Curriculums und die Auswahl der ersten 10 Lehrgangsteilnehmer erfolgte parallel. In Zusammenarbeit zwischen dem Projektträger und der wissenschaftlichen Begleitung wurden Inhalte für die Ausgestaltung des Curriculums kurzfristig erarbeitet. Die curriculare Grundstruktur wurde bei allen nachfolgenden Lehrgängen beibehalten. Als Vorteil wirkte sich hier die fachliche Kompetenz der wissenschaftlichen Begleitung und der Praxispartner aus.

Positive Bilanz

Herr Wokersin, Inspektor der Stauerei Seehafen Rostock Umschlagsgesellschaft mbH, beschreibt die Wirkungen des PORT-Projektes:

"Die Durchführung dieser Qualifizierung war vom Teilnehmerkreis her in Ordnung, auch die Ausrüstung im Container war ausreichend. Für mich selber, der ich in der Stauerei tätig bin, wäre es sinnvoll gewesen, von den einzelnen Bereichen, die wir abgearbeitet haben, sprich Hafenwirtschaft, Hafenenglisch, Computer und europäische Partnerschaften, speziell das Hafenenglisch weiterzuführen. Die Hafenwirtschaft haben wir in großem Umfang angerissen und wir sind viele Themenkomplexe durchgegangen. Das könnte man im Einzelnen weiter vertiefen. Man könnte dazu auch Exkursionen organisieren.
Tja, Computer war für mich absolutes Neuland. Aber es wurde vom Ausbilder wirklich gut rübergebracht. Von den Anfängen über die Soft- und Hardware bis hin zur Bedeutung etc. wurde von Anfang an alles schön durchgegangen. Und das ist wichtig, wenn man tagtäglich im Beruf damit konfrontiert wird."


Herr Wokersin, Inspektor der Stauerei Seehafen Rostock Umschlagsgesellschaft mbH

Stimmen von Projektbeteiligten

Der Unterricht zur Geschichte der Hafenwirtschaft gibt Einblicke in Entwicklungen, die wir schmerzlich erlebt haben. Aber er schärft auch den Blick für die Arbeit von morgen. Und dabei hilft das Qualifizierungsprogramm PORT-ADAPT.
Besonderheiten in der Ausbildung waren u.a.

  • die unerwartete hohe Motivation und das Engagement der Teilnehmer sowie eine starke Orientierung des Unternehmens am Corporate Identity.
  • Erfahrungen und Hinweise aus dem ersten Lehrgang wurden in der Projektleitung aufgegriffen und mit Hilfe des Beirates umgesetzt, wie z.B. die Durchführung von Exkursionen.
Herr Skibbe, Projektleiter

Das besondere des Projekts besteht darin, dass wir eine europäische Dimension haben, weil wir mit verschiedenen europäischen Partnern arbeiten. Das ist wohl das Einmalige in der Hafenwirtschaft. Und zum anderen versuchen wir, indem wir von Standort zu Standort wandern, uns jeweils an die Besonderheiten der Hafenbetriebe anzupassen.
PORT-ADAPT lief in Kooperation mit Häfen in Dänemark, Spanien und Portugal. In diesen Ländern besteht eine ganz ähnliche Problematik in der Hafenwirtschaft wie in Mecklenburg/Vorpommern. Insofern ist es logisch, dass wir gerade diese Zusammenarbeit angestrebt haben.


Herr Pohl, Geschäftsführer Landesverband Hafenwirtschaft

Herr Pohl, Geschäftsführer Landesverband Hafenwirtschaft M/V e.V.:
"Ich habe in meiner Funktion als Mitglied des Beirates im Projekt mitgearbeitet und an allen vier Standorten das Einführungsseminar zu Fragen der Verkehrspolitik und Verkehrswirtschaft insbesondere in der Hafenwirtschaft M/V durchgeführt.
Das Projekt hat zu einer Reihe von beachtlichen Effekten geführt: Es hat den Erfahrungsaustausch zwischen den Seehäfen aktiviert und dabei besonders den Gedankenaustausch zu Fragen der Beschäftigungsentwicklung und Qualifizierung in diesen Häfen auf speziellen Seminaren und Workshops ermöglicht."

Der Erfolg liegt auf der Hand

Das Projekt PORT-ADAPT hat zu einer Reihe von beachtlichen Effekten geführt.

  • Die überwiegende Zahl der Teilnehmer hat trotz anfänglicher Bedenken deutlich zum Ausdruck gebracht, dass relevante Kenntnisse und Fähigkeiten für den Beruf erworben werden konnten.
  • Die Erfahrungen aus der transnationalen Zusammenarbeit wurden unmittelbar in die Lehrgänge übertragen.
  • Die Exkursionen in die Häfen Mukran, Hamburg und Stettin und insbesondere nach Brüssel haben wichtige fachliche und politische Erkenntnisse ermöglicht. Lehrkräfte und Gastdozenten haben für einen regionalen und überregionalen Erfahrungsaustausch in der Hafenwirtschaft gesorgt und der mobile Ausbildungscontainer hat sich besonders für das "Lernen am Arbeitsplatz" bewährt.
  • Der enge Kontakt zu den Hafenunternehmensvertretern hat zu verschiedenen Anregungen für die Hafenpraxis geführt. Beispielsweise wurde in der Seehafen Rostock Umschlagsgesellschaft mbH die Erarbeitung eines Personal- und Weiterbildungsplanes initiiert, im Seehafen Wismar wurden verstärkte Aktivitäten zur Herausbildung einer Corporate Identity als Unternehmensphilosophie entwickelt und die Häfen in Vorpommern haben die Qualifizierungsmaßnahmen besonders für die Förderung der Kooperation mit den verschiedenen Bereichen der Hafenwirtschaft in ihrer Region genutzt.

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Gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung
aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds-Gemeinschaftsinitiative ADAPT. 30. Juni 2000