Success-Story   QQE

Mit Partnern lernen und für die Umwelt arbeiten

Infoblatt-DasProjekt im Überblick

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In der Recyclingbranche geht es längst nicht mehr einfach nur um den Mülltransport von A nach B. Von den Mitarbeitern wird fehlerfreie Arbeit erwartet, obwohl sie dafür nicht ausreichend qualifiziert sind. Nicht qualifizierte benötigen bei der Arbeit einen erfahrenen Partner an ihrer Seite, der Fachwissen und Umweltsensibilität vermitteln kann.

Im Projekt werden arbeitsplatzkompatible Methoden entwickelt und eingesetzt, die den Teamgeist und die Selbstorganisation fördern. Diese Qualifikationen werden benötigt, um den immer höheren Qualitäts- und Leistungsanforderungen in der Entsorgungs- und Recyclingbranche gerecht zu werden.

Erfolg im Umweltmanagement nur mit qualifizierten Werkern

Die Anforderungen an die Entsorgungs-Fachbetriebe durch Kunden, Öffentlichkeit und Umweltauflagen steigen unaufhörlich. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) geraten durch den Verdrängungswettbewerb der "Entsorgungsriesen" zusätzlich unter Druck. Dies gefährdet nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch standortnahe Dienstleistungen.

Der Druck zu Produktionssteigerungen an allen Arbeitsplätzen der Entsorgungsbranche lässt wenig Raum für Schulungsmaßnahmen. Die sehr verschiedenen Unternehmensstrukturen machen es auch schwer, für Werker nutzbringende Kurse zu kreieren. Jedes Unternehmen hat seine spezifischen Probleme, für die es Lösungen sucht. Für das Qualifikationsniveau der Zerlegearbeiter, Logistikarbeiter, Sortierkräfte, Fahrer etc. ist das besonders relevant. Neben einer mangelnden Ausbildung für diese Gruppe sind die Arbeitsplätze in der Regel durch eine starke Fluktuation gekennzeichnet. Leiharbeiter und Ungelernte prägen das Bild. Aber gerade für diesen Personenkreis besteht ein hohes Gefahrenpotential. Sie sind gar nicht oder nur wenig für ihre Aufgaben qualifiziert, müssen mit Sondermüll umgehen, arbeiten mit gesundheitsschädlichen Stoffen, an gefährlichen Anlagen und müssen sich auch noch mit dem umfangreichen Regelwerk des Kreislaufwirtschaftsgesetzes auseinandersetzen.

Was Werker können müssen

Es sind nicht nur die fachlichen Anforderungen, die an einen "Müllwerker" gestellt werden. Er muss in der Lage sein zu entscheiden, welche Mülltonne er warum stehen lässt. Diese Entscheidungen muss er dem Kunden gegenüber erklären können. Das setzt Kommunikationsfähigkeit, Kenntnis der Umweltvorschriften und Kundenorientierung voraus. Zudem ist Arbeitssicherheit ein Feld, mit dem der Werker bei allen seinen Aufgaben konfrontiert wird. 

 


Der Werker: Muss er Universalist sein?

Vielfältig sind die Kompetenzanforderungen: unmittelbarer Kundenkontakt, Teamarbeit, Logistikaufgaben, Zuverlässigkeit. Dies sind Herausforderungen, die bislang oft unterbewertet wurden. Ihre Bedeutung für den Erfolg eines Betriebes rückt aber heute verstärkt in das Bewusstsein. Die Umsetzung des Umweltmanagement-Gedankens ist eine weitere Dimension, der auch von Werkern mitgetragen werden muss, soll er Erfolg haben. Werker haben im Unterschied zum leitenden und kaufmännischen Personal selten Zugang zu schriftlichen Medien und können in der Regel dem Produktionsprozess nicht entzogen werden, ohne dass der Betriebsablauf gefährdet wird. Das erschwert seminaristische Qualifizierungsmaßnahmen oder macht sie gar unmöglich.

Die Betriebe der Entsorgungswirtschaft brauchen demnach andere als die üblichen Ansätze (Seminare, Kurse, Vorträge, Workshops), um dem Defizit an realisierbaren und erfolgreichen Qualifizierungsmöglichkeiten auf der Werkerebene Rechnung zu tragen. QQE hat sich diesen Herausforderungen gestellt und eine den betrieblichen Strukturen gerecht werdende Weiterbildungskonzeption entwickelt. 

Die "Busy-Boys" als ständige Begleiter

Benötigt wurde eine Methode, die ein Selbsttraining am Arbeitsplatz ermöglichte. Dafür ist ein Medium erforderlich, das nicht zu textlastig und somit auch für lernungewohnte und ausländische Mitarbeiter mit geringen Deutschkenntnissen leicht zugänglich ist. Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, die unterschiedlichen Betriebe, deren Spektrum vom Transportwesen über die Zerlegung und Sortierung bis hin zur Aufarbeitung und Verwertung von Abfällen reicht, in ein gemeinsames Qualifizierungsprofil einzubinden.

Die Lösung ist eine Broschüre mit dem Namen "Die Busy Boys". Sie hat Platz in jeder Latzhose und ist als Comic verfasst, so dass der Text jeweils mit einem Bild und einer Handlung korrespondiert. Die alle Betriebe gleichermaßen betreffenden Probleme wie Arbeitssicherheit, Kundenbetreuung und Umweltschutz wurden zum Schwerpunkt für die Qualifizierung gemacht. Die "Busy Boys" sind die ständigen Begleiter der Mitarbeiter. Erfahrene Werker bilden als Paten mit den neuen Mitarbeitern ein Duo und qualifizieren diese mit Hilfe der Broschüre.

Bilder und Übungsfragen sind das Gestaltungselement der "Busy Boys". Damit sollen sich die lernenden Mitarbeiter auseinandersetzen. Eines der Kapitel lautet: "Ohne Abfallsysteme kommt die Umwelt ins Wanken." Willi, die Leitfigur, macht dann seinem Partner klar, dass "Ex und Hopp" nicht funktionieren kann und vor allem durch "Sammeln mit System" Ressourcen geschont werden.
Nach sechs Wochen "Lernen im täglichen Arbeitsprozess" gibt es dann ein Zertifikat wenn sicher ist, dass die Botschaften der Broschüre auch verstanden und angewandt werden.


"Es war einfach gut und hat Laune gemacht." (ein junger Werker)

"Auf jeden Fall eine gute Gedächtnisstütze." (ein Einsatzleiter)

"Es ist leicht zu verstehen, und das ist wichtig." (häufiger Kommentar)

"Man tauscht sich aus, wir haben auch den Test gemeinsam ausgefüllt und uns beraten. Das Vertiefen durch die Testfragen ist wichtig" (eine Gruppe von Werkern)

"Das ist sehr gut, um den Neuen was zu erklären, unseren Polen, Russen und Türken, da braucht man Bilder und Beispiele." (ein älterer Werker)

"Es sollte auch in andere Sprachen übersetzt werden (türkisch, russisch, polnisch)" (ein deutscher Werker). "Das ist nicht nötig", antwortete ein aus Pakistan stammender Werker, "das ist doch gerade das Gute daran, daß der deutsche Kumpel dir was erklärt."

Mit dem Paten am Arbeitsplatz partnerschaftlich lernen

Die Broschüre wurde in den Betrieben sehr gut aufgenommen. Es kam der Wunsch auf, alle Mitarbeiter, zum Teil quer durch die Abteilungen, in dieses partnerschaftliche Lernen einzubeziehen. Vor allem waren es die Nebeneffekte, die die Akzeptanz des Mediums ausmachen:
"Man kommt miteinander ins Gespräch, stellt aber auch plötzlich noch Lücken bei sich selbst fest und macht sich Gedanken über die Arbeitsabläufe", so ein erfahrener Mitarbeiter.
Aber es gab auch andere Stimmen. Manchem altgedienten Facharbeiter war dieses Medium nicht ernsthaft genug. Man hätte sich eine sachlichere Darstellung gewünscht. Für Mitarbeiter mit sehr geringen Deutschkenntnissen wiederum enthielt die Broschüre noch zuviel schwer verständlichen Text. Meist waren die Urteile der Belegschaften und Betriebsleitungen allerdings sehr positiv: Das Medium sei unterhaltsam und man könne kleine Pausen nutzen, um über die Inhalte zu kommunizieren; der Arbeitsprozess müsse nicht unterbrochen werden. Mitarbeiter, die sich anderenfalls nicht trauen nachzufragen, würden auf diese Weise in die Aufklärung über Betriebsabläufe einbezogen.

Die Kommunikationsfreundlichkeit des Paten lebt in anderen Konzepten weiter

Auf betrieblicher Seite hat die Maßnahme zu einer hohen Sensibilisierung hinsichtlich Schulungsbedarf und Kommunikation geführt. Die Erfahrung mit dem partnerschaftlichen Lernen führte in einem Fall zu einem Workshop über Konflikthandhabung. Dieser wurde auch gleich als ADAPT-Aktivität durchgeführt. In anderen Fällen gab es Anregungen und Nachfragen, die sowohl eine Erweiterung des "Lernens am Arbeitsplatz" nach sich ziehen, als auch den Workshop als Ergänzung empfehlen.

Die Idee kam auf, eine Multimediastation zu entwickeln, die einen kompletten Betrieb, zum Beispiel einen Schrottplatz, enthält und es ermöglicht, Arbeitsabläufe aber auch Gefahren zu simulieren. Die leichte Handhabung vorausgesetzt, wäre ein solches Medium geeignet, das Lernen am Arbeitsplatz zu erweitern. Inzwischen arbeitet QQE bereits an der Entwicklung einer Multimediastation für einen Schrottplatz, die exemplarisch für andere Arbeitsstätten dieser Art sein soll.

Für alle am Projekt Beteiligten steht fest dass die Integration von Arbeitsplatz und Lernen einen größeren Nutzen hat als ausgelagerte Schulungen. Visuelle und leicht zugänglichen Medien erhalten dabei einen besonderen Stellenwert.


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Gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung
aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds-Gemeinschaftsinitiative ADAPT. 30. Juni 2000