Success-Story   TREAT

Lernen am Bau

Je mehr die Arbeit mit den Händen in den Vordergrund rückt, desto notwendiger wird das Lernen am Arbeitsplatz. Bei Handwerkern der Baubranche ist die Akzeptanz gegenüber konventionellen Schulungsangeboten gering, so dass das arbeits- und produktionsnahe Lernen für die Weiterbildung effektiver und erfolgreicher ist.
Diese Erkenntnis legte den Grundstein für die Durchführung des Treat-Projektes.

Infoblatt-DasProjekt im Überblick

PDF-Datei zum Download (281 kB) treat_d.pdf

Was ist Ziel des Projektes?

Im Mittelpunkt der Qualifizierungen steht eine umweltbezogene Organisations- und Personalentwicklung, die sich am Konzept des ökologischen Bauens orientiert.

Mit Adapt-TREAT wird eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) der Baubranche erreicht. Dazu war die Anpassung dieser Betriebe an die Anforderungen des Marktes notwendig. Im Projekt wird auf die Bedürfnisse der einzelnen Unternehmen eingegangen und produktions- und beschäftigungsbegleitende Qualifizierung umgesetzt. Um den Anforderungen durch neue Werkstoffe und Arbeitsverfahren gerecht zu werden, werden darüber hinaus Anpassungsqualifizierungen bei KirchBauhof und den beteiligten Unternehmen durchgeführt.

Insgesamt konnten zwischen 1996 und 1999 70 Mitarbeiter aus 15 KMU qualifiziert und damit auch neue und zukunftsorientierte Arbeitsplätze geschaffen werden.


Unser Projektansatz

Die arbeits- und produktionsnahe Qualifizierung von Beschäftigten im Bauhaupt- und -nebengewerbe sollte mit Hilfe eines transferfähigen Modells in Verbindung mit einer beschäftigungswirksamen Unternehmensberatung realisiert werden. Grundlage dieser Idee war die Erkenntnis, dass Weiterbildung und Qualifizierung wichtig sind, die traditionelle Form des Lernens aber nur geringe Einflüsse auf die Beschäftigungssicherung hat.

Gerade in der Bauwirtschaft ist eine Ausrichtung der Qualifizierung der KMU und deren Mitarbeiter in Richtung ökologisches Bauen oder betrieblicher Umweltschutz notwendig. Dies erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und führt zu zukunftsfähigen und sicheren Arbeitsplätzen.

Das Besondere im Projekt TREAT liegt in dem gewählten Ansatz des Lernens am Arbeitsplatz, mit dem am Arbeitsmarkt benachteiligte Personengruppen qualifiziert werden. Insbesondere Handwerker aus dem Baubereich werden durch den Ansatz angesprochen, da diese von konventionellen Lernmodellen ("wie auf der Schulbank", Zitat eines Maurers der Fa. WBKS) nichts halten. 

Unser Qualifizierungskonzept

Das Projekt umfasst die Qualifizierung von

  1. Mitarbeitern der KMU in den eigenen Arbeits- und Produktionsprozessen (durch Experten von KirchBauhof, die vor Ort beraten und ausbilden),
  2. Teilnehmern an beschäftigungswirksamen Maßnahmen innerhalb der KMU unter Betreuung von KirchBauhof-Mitarbeitern und
  3. Teilnehmern auf Baustellen oder in Projekten der KirchBauhof gGmbH.

Die Grobgliederung der Qualifizierung in

  • 1/3 Theorie (allgemeine Einführung, Spracherwerb, etc.),
  • 1/3 Praxis (praktische Übungen z.B. an der Werkbank) und
  • 1/3 betreute Selbstanwendung (selbständig durchgeführte Arbeiten)

erfolgt im gesamten Unternehmen. Auch die Unternehmensführung wird in die Qualifizierung eingebunden.
Berater/Dozenten werden direkt auf den Baustellen der KMU oder in den jeweiligen Betriebsräumlichkeiten eingesetzt.


Das kann man kaum in Seminaren lernen

Auf folgende Lerninhalte kam es an:

  • Ökologisches Bauen (z.B. Bauen mit Lehm),
  • Betrieblicher Umweltschutz,
  • Abfallmanagement auf der Baustelle,
  • Arbeitssicherheit,
  • Veranstaltungsmanagement (Vorbereitung und Durchführung einer Lehmbaumesse).

Was zu berücksichtigen war

Die Entwicklung der Bauwirtschaft in der Region Berlin/Brandenburg ist seit Jahren von Unternehmensschließungen und Mitarbeiterentlassungen geprägt. Die wirtschaftliche Talfahrt der Bauwirtschaft und die damit zusammenhängende schwierige finanzielle Situation vieler Berliner und Brandenburger Unternehmen überlagert auch bei den teilnehmenden KMU die positiven Effekte der Qualifizierung. Die unsichere Auftragslage, knappe Finanzdecken und hohe Außenstände bringen die Unternehmen dazu, oft trotz besseren Wissens, die notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen zu vernachlässigen. Viele Probleme der KMU entstehen durch geringe Produktivität im operativen Geschäft. Neben eher fachlich ausgerichteter Mitarbeiterschulung besteht ein hoher Qualifizierungsbedarf im Bereich der Personal- und Unternehmensorganisation. Daher wird eine Kombination von Qualifizierung und Beratung durchgeführt. Über diesen Weg kann auch die betriebliche Organisation der KMU gründlich strukturiert und die Produktivität langfristig gesteigert werden.

So lernt man am Bau

Böhning Deckensysteme GmbH: Software dem Betrieb anpassen

Um das System von Abrechnung, Kalkulation und Nachkalkulation dieser Trockenbaufirma zu verbessern und zu optimieren, wurde mit der Beratung und Unterstützung eines TREAT-Experten die bestehende Software des Unternehmens durch betriebseigene Mitarbeiter umgebaut und an die betrieblichen Forderungen angepasst. Ziel und Ergebnis war die Schaffung eines "selbstlernenden Systems", das durch die Eingabe von aktuellen Ergebnissen, Kosten und Preisen die für zukünftige Angebotserstellungen notwendigen Kenndaten verfügbar hat.

H+T Seib: "Qualifizierung und Organisationsentwicklung von innen"

Das Hoch- und Tiefbauunternehmen wurde im traditionellen Stil zentralistisch durch den Firmeninhaber geleitet. Aufgrund des wirtschaftlichen Drucks im Baubereich konnte der Firmeninhaber für die Idee gewonnen werden, einen KirchBauhof-Experten an den Arbeitsabläufen teilnehmen zu lassen, um so den Qualifizierungs- und Entwicklungsbedarf des Unternehmens von innen her analysieren zu können. Die Vorteile dieser Vorgehensweise wurden schnell deutlich, denn die anfängliche Reserviertheit und die Vorurteile der Belegschaft und des Chefs gegen den "Eindringling und Fremdkörper", der "keine Ahnung von dem Betrieb hat" und "nur klug reden kann", konnten durch die tatkräftige Mitarbeit und die konkrete und passende Beratung und Qualifizierung an Ort und Stelle überwunden werden.

Berliner Metallbau GmbH: "Fragestunden" und "Über-die-Schulter-gucken"

Der Schlosser- und Metallbaubetrieb schaffte sich beim Umzug in die neue Betriebsstätte eine komplett vernetzte PC-Anlage (Intranet) inkl. der neusten Softwareprogramme für alle Angestellten und leitenden gewerblichen Mitarbeitern an, ohne dass die Mitarbeiter ausreichend im Umgang mit der Anlage und den Programmen geschult waren. Unsicherheiten und Ablehnung gegenüber der neuen Technologie und damit verbundene betriebswirtschaftliche Nachteile waren die Folge. Durch KirchBauhof erfolgte - neben weiterer Qualifizierungs- und Beratungsleistung - die arbeitsbegleitende Qualifizierung der Mitarbeiter durch eine Spezialistin vor Ort an 3 Tagen pro Woche.

Lehmbaumesse:

Maßnahmeteilnehmer bei KirchBauhof arbeiteten unter der Anleitung von Fachleuten an Organisation, Durchführung und Werbung für 3 Lehmbaumessen, die durch KirchBauhof im Rahmen von TREAT initiiert wurden. Hierbei konnten reichhaltige Erfahrungen in der konkreten Ausgestaltung einer Messe und durch die Kontakte zu den beteiligten Unternehmen des ersten Arbeitsmarktes, wie z.B. Graphik- und Werbeagenturen, KMU der Lehmbaubranche, Messesystemanbieter, gemacht werden.


Bauhof GmbH: Bauvorhaben im Lehmbau

Ein Maurer vor der Einführung in Lehmputztechniken: "Ich bin gelernter Maurer und kann verputzen. Das ist egal, ob ich einen Kalk-Zement-Putz verwende oder einen Lehmputz, dafür brauche ich doch keine Schulung." Nach der Einführung und praktischen Anwendung: "Das ist doch nicht so einfach gewesen, mit Lehm zu verputzen und wir mussten im Team erst mal ausprobieren, wie man damit verputzen kann."


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Gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung
aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds-Gemeinschaftsinitiative ADAPT. 10. August 2000